Wer lebt in der Arktis?

4 Millionen Menschen leben heute schätzungsweise in der Arktis. Aber nur noch wenige in den wirklich eisigen Gegenden: Städte und größere Dörfer auf dem grüneren und wärmeren Festland überzeugen mit besseren Angeboten des täglichen Lebens.

Eisbär in der Arktis

Alfred-Wegener-Institut/Stefan Hendricks

Etwa 12,5 Prozent der vier Millionen Menschen gehören indigenen Völkern an, beispielsweise den Alëuten, Athabasken, Gwich’in, Inuit, Samen und den vielen indigenen Volksgruppen der russischen Arktis. Die indigenen Völker wohnen auf drei unterschiedlichen Kontinenten, meist in den Küstengebieten, und werden durch ihren natürlichen Lebensraum voneinander abgegrenzt. Der Klimawandel bedroht den ursprünglichen Lebensraum vieler indigener Völkergruppen:

Höhere Temperaturen bedeuten schmelzende Eisflächen und einen abtauenden Permafrostboden. Dies gefährdet die Lebensgrundlage für Menschen, Tiere und Pflanzen. Schwindende Eisflächen erschweren zum Beispiel die traditionelle Robbenjagd und nehmen vielen Einheimischen dadurch eine wertvolle Einnahmequelle. Gleichzeitig eröffnen sich durch die sich bildenden Wasserflächen mit dem Fischfang auch neue Nahrungs- und Einkommensquellen.

Leben im arktischen Eis

Viele indigene Völkergruppen leben auch heute noch abgeschieden, allerdings bereits in festen und modernen Häusern. Einige Traditionen bewahren sie sich jedoch weiterhin: So ist die Rentierwirtschaft für die Samen immer noch eine wichtige Grundlage ihrer Selbstständigkeit. Früher folgten sie dazu der Herde noch auf ihrer Wanderung, heutzutage besitzen sie moderne Schneemobile. Diese machen das ursprüngliche Nomadenleben größtenteils hinfällig, weil sie größere Distanzen schneller bewältigen und dabei mehr transportieren können.

Indigene Bewohner

Getty Images/Ton Koene

Neben Menschen bevölkern auch viele Tiere die Arktis: Etwa 75 Säugetierarten leben heute dort – davon allein 16 auf oder unter dem Eis. Zu den Tieren im Nordpolarkreis gehören unter anderem Robben, Walrosse, Polarfüchse, Schneehasen, Rentiere und Moschusochsen. Der wohl bekannteste Arktisbewohner ist der Eisbär, neben dem Kodiakbären das größte Landraubtier der Erde. Allerdings ist er auch eines der am stärksten durch den Klimawandel bedrohten Säugetiere.

Denn mit dem Eis schmilzt auch sein Jagdbereich: Im Winter und im Frühjahr ist der Eisbär damit beschäftigt, sich eine Fettreserve für die Sommermonate zuzulegen. Das geschieht meist durch die Robbenjagd von Eisschollen aus – doch die Jagd wird besonders Jungtieren durch schwindende Eisflächen erschwert. Stranden die Bären durch den Eisrückgang auf dem Festland, müssen sie teilweise mehrere Monate lang hungern oder sich von anderen Tieren und Gräsern ernähren. Denn hier werden sie von Robben viel schneller gesehen, die sich dann rechtzeitig in Sicherheit bringen können.

Lebensraum für Tiere schwindet

Karibu in Kanada

Alfred-Wegener-Institut/Jaroslav Obu

Während viele andere Lebewesen bei Temperaturen bis zu minus 50 Grad Celsius nicht überleben könnten, sind die Tiere in der Arktis von genau diesem Umstand abhängig. Der Klimawandel verändert also nicht nur den Lebensraum von Eisbär, Robbe und Co., sondern erschwert besonders den Bären auch die Jagd als Grundlage ihrer Ernährung. Gleichzeitig verbreiten sich eigentlich südlicher lebende Tiere in der Arktis und machen ihren ursprünglichen Bewohnern den Lebensraum streitig.

Herausforderungen und neue Perspektiven

Was für die Tiere kleinere Jagdgebiete und größeren Konkurrenzdruck bedeutet, stellt die Menschen vor größere Herausforderungen bei der Lebensmittelversorgung und dem Transport von Personen. Siedlungen stehen im wahrsten Sinne des Wortes auf der Kippe, Wege und Straßen versinken: Durch das Schmelzen der Meereisdecke und den steigenden Meeresspiegel kommt es zu Küstenerosionen, die auch der auftauende Permafrostboden begünstigt. Dadurch verlieren nicht nur die Siedlungen und Häuser, sondern auch die Infrastruktur an Standfestigkeit.

Gleichzeitig eröffnen sich allerdings auch andere Perspektiven für die Arktisbewohner: Neue Fischschwärme gelangen durch sich ändernde Strömungen aus dem Süden in die Arktis. Sie bieten neue Grundlagen für die Ernährung und den Verkauf.

Kann Tourismus in der Arktis helfen?

Fischerboot in Norwegen

Alfred-Wegener-Institut/Volker Rachold

Auch der Tourismus in der Arktis nimmt zu – nicht immer zur Freude der Einheimischen. Das Ökosystem in der Arktis ist sensibel und kann durch große Touristengruppen gestört werden. Allerdings bietet der Tourismus auch neue Einnahmequellen und Beschäftigungs­möglichkeiten für die Arktisbewohnerinnen und -bewohner. Das ist besonders im Hinblick auf die Tatsache wichtig, dass traditionelle Lebenserhaltungsmaßnahmen wie die Robbenjagd bereits heute durch den Klimawandel erschwert und womöglich bald ganz wegfallen werden. Um die Arktis als Wohn- und Reiseziel auch über die nächsten Jahre und Jahrzehnte zu schützen, ist deshalb die Zusammenarbeit aller gefragt: (Indigene) Völkergruppen müssen ihre Interessen deutlich machen und vertreten und Reiseveranstalter Natur und Lebewesen respektieren. So kann die Arktis in ihrer Faszination auch in Zukunft begeistern.