Hintergrund zur Konferenz

Die Arktis – Schlüsselregion für Klimaforschung

In der Arktis wird der Klimawandel besonders sichtbar. Für die Beobachtung, Überwachung und das Verstehen der raschen Veränderungen in der Arktis ist wissenschaftliche Zusammenarbeit unerlässlich. Die Arktis ist eine der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Regionen der Welt: Sowohl die Luft- als auch die Wassertemperaturen steigen deutlich schneller als im globalen Durchschnitt. Im Mittel betrug der Temperaturanstieg im 20. Jahrhundert in der Arktis etwa 2 °C – in manchen Regionen sind die Lufttemperaturen sogar um 5 °C gestiegen. Die Auswirkungen sind von globaler Tragweite und stellen uns vor Herausforderungen von großer Bedeutung und Dringlichkeit. Die Veränderungen, die wir in der Arktis beobachten, beeinflussen auch das Wetter des unmittelbar benachbarten Europas.

Die Wissenschaft liefert neues Wissen als Entscheidungsgrundlage und Handlungsempfehlung für Politik und Gesellschaft. Gerade die arktischen Gemeinschaften sind in besonderer Weise von der Integrität und dem Funktionieren ihrer Umwelt abhängig. Für die indigene Bevölkerung werden heutzutage traditionelles Wissen, Sozialstrukturen, Ernährungsgewohnheiten, Sprachen – nahezu die gesamte Lebensweise – durch externe Faktoren beeinflusst. Nicht nur die Anpassungsfähigkeit der arktischen Bevölkerung, sondern auch die ihrer belebten Umwelt, also der Flora und Fauna, müssen erforscht werden um die Risiken, die für sie mit dem Klimawandel einhergehen, zu minimieren. Die bereits bestehenden nationalen und internationalen Beobachtungs- und Forschungsanstrengungen sind beeindruckend, können bisher aber den Bedarf an umfassenden und integrierten Informationen über die Arktis und ihre Bewohner nicht decken.

Washington, D.C. – Erste gemeinsame Erklärung zur Arktisforschung

Es besteht die Notwendigkeit, die Zusammenarbeit in der Arktiswissenschaft zu verbessern. Um diesem Bedarf gerecht zu werden, veranstalteten die Vereinigten Staaten im September 2016 in Washington das erste Arctic Science Ministerial. Wissenschaftsministerinnen und -minister von 25 Regierungen, der Europäischen Union sowie Vertreterinnen und Vertreter von Organisationen arktischer indigener Völker kamen zusammen, um über gemeinsame Anstrengungen zur Stärkung der internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit in der Arktis zu diskutieren. Die Ergebnisse des Treffens, einschließlich einer gemeinsamen Erklärung der Ministerinnen und Minister, wurden im Bericht „Supporting Arctic Science" veröffentlicht.

Berlin – Nächster Schritt zu mehr Kooperation in der Arktisforschung

Aufbauend auf der Ersten Wissenschaftsministerkonferenz zur Arktisforschung veranstalten die Europäische Kommission, die Republik Finnland und die Bundesrepublik Deutschland vom 25. bis 26. Oktober 2018 in Berlin die Zweite Wissenschaftsministerkonferenz zur Arktisforschung (ASM2). Unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel wird die internationale Staatengemeinschaft im Rahmen der Konferenz ihr gemeinsames Engagement für die Zukunft der Arktis weiter ausbauen – in gemeinsamer Verantwortung für die heutigen und künftigen Generationen.

Das Ministertreffen ist keine Veranstaltung des Arktischen Rates, dessen derzeitiger Vorsitzender Finnland ist aber Mitveranstalter. Die inhaltliche Nähe zu den Forschungsinhalten des Rates ist also gegeben. Die ASM2 konzentriert sich ausschließlich auf Wissenschaft und Forschung in der Arktis. Die Beteiligung indigener Völker, deren Lebens- und Wirtschaftsraum die Arktis bildet, ist ein zentrales Anliegen aller Konferenzpartner.

Herausforderungen der Arktis erforschen

Für die Zweite Wissenschaftsministerkonferenz zur Arktisforschung wurden drei Themen identifiziert:

  1. Stärkung, Integration und Aufrechterhaltung der arktischen Beobachtungen, Erleichterung des Zugangs zu arktischen Daten und gemeinsame Nutzung der arktischen Forschungsinfrastruktur;
  2. Verständnis der regionalen und globalen Dynamik des arktischen Wandels;
  3. Bewertung der Verwundbarkeit und Stärkung der Widerstandsfähigkeit der arktischen Umwelt und Gesellschaft.

Internationale Fürsprecher der Arktisforschung

Vertreter von fast dreißig Regierungen, sechs indigenen und zehn ausgewählten internationalen Organisationen wurden eingeladen, Beiträge zu den Schwerpunktthemen zu leisten. Hierbei sollen sowohl die seit der Ersten Wissenschaftsministerkonferenz zur Arktisforschung erzielten Fortschritte als auch die neuen Aktivitäten im Zusammenhang mit der Zweiten Wissenschaftsministerkonferenz zur Arktisforschung im Vordergrund stehen. Diese Beiträge werden in das Hauptergebnis der Konferenz einfließen: eine gemeinsame Erklärung der teilnehmenden Ministerinnen und Minister.

Teilnehmende Länder

Nahezu dreißig Nationen tragen wesentlich zur globalen Erforschung der Arktis bei. Ihre verstärkte Kooperation soll in einer gemeinsamen Erklärung münden:

Australien, Belgien, China, Dänemark, Deutschland, Faröer, Finnland, Frankreich, Grönland, Großbritannien, Indien, Island, Italien, Japan, Kanada, Korea, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Russische Föderation, Schweden, Schweiz, Singapur, Spanien, Tschechische Republik, Vereinigte Staaten von Amerika sowie die Europäische Kommission.

Indigene Bevölkerungsgruppen

Folgende Organisationen vertreten die indigenen Bewohnerinnen und Bewohner der Arktis bei der ASM2:

  • Aleut International Association
  • Arctic Athabaskan Council
  • Gwich’in Council International
  • Inuit Circumpolar Council
  • Russian Association of Indigenous Peoples of the North
  • Saami Council

Umfang und Struktur

Die ASM2 wird an zwei Tagen durchgeführt und von drei zentralen Elementen markiert:

Am ersten Tag wird ein Wissenschaftsforum die Fortschritte seit der Ersten Wissenschaftsministerkonferenz zur Arktisforschung vorstellen und neue Entwicklungen in der Arktisforschung aufzeigen. Die Wissenschaft soll so den Boden für das Ministertreffen am zweiten Tag bereiten. Am Abend des ersten Tages findet ein Empfang statt. Diese Abendveranstaltung bietet den Ministerinnen und Ministern und ihren Delegationen die Gelegenheit, mit Vertreterinnen und Vertretern der gesamten arktischen Wissenschafts- und Interessengemeinschaft zusammenzutreffen.

Der zweite Tag wird die Ministerinnen und Minister der teilnehmenden Länder und die Vertreterinnen und Vertreter von sechs indigenen Organisationen der Arktis beim Ministertreffen zusammenbringen. Basierend auf den Ergebnissen des Wissenschaftsforums mündet das Treffen der Wissenschaftsministerinnen und -minister in einer gemeinsamen Erklärung zur Zukunft der Arktisforschung.

Eine im Rahmen der Ministerkonferenz stattfindende Pressekonferenz wird die Inhalte der Konferenz vorstellen und auf die gemeinsame Abschlusserklärung verweisen.