Deutsche Polarforschung

1991 wurde die erste permanente deutsche Forschungsstation der Arktis in Ny-Ålesund auf Spitzbergen eingeweiht. Die Basis wird vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) zusammen mit dem französischen Polarforschungsinstitut Paul Emile Victor (IPEV) betrieben.

FS Polarstern in der Arktis

Die POLARSTERN bahnt sich ihren Weg durch arktische Gewässer.

Alfred-Wegener-Institut/Mario Hoppmann

Die AWIPEV-Basis, die ein großer Meilenstein in der Entwicklung der deutschen Polarforschung ist, hat zwei zentrale Aufgaben: Sie dient zum einen als vielfältiges Klima-Observatorium, an dem langfristige Messreihen von meteorologischen Daten aufgezeichnet werden, die die atmosphärenchemischen Parameter aufschlüsseln. Auch der Zustand des Permafrostbodens, der Gletscher und des König-Fjords (Kongsfjorden) stehen unter Beobachtung der Wissenschaft. Zum anderen ist sie eine Plattform, an der sowohl kurze als auch mehrjährige Untersuchungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus deutschen, französischen und holländischen Universitäten und Instituten durchgeführt werden.

Die deutsche Polarforschung wird maßgeblich durch das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) geprägt, aber auch Universitäten, andere außeruniversitären Forschungsinstitute und die Wirtschaft tragen zur Forschung in den Polargebieten bei. Das AWI und die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) sind zu großen Teilen an der Forschung rund um die Pole beteiligt, aber auch Institute der Max-Planck-Gesellschaft und der Leibniz-Gemeinschaft sowie Universitäten aus ganz Deutschland tragen dazu bei, Details über Arktis und Antarktis, das Klima und polare Ressourcen zu sammeln. Alle Aktivitäten der Hochschulen werden durch den Landesauschuss Scientific Committee on Antarctic Research (SCAR)/International Arctic Science Committee (IASC) geplant, der mit dem AWI und den Bundeseinrichtungen eng zusammenarbeitet.

Forscher mit Bohrkern in der Arktis

Alfred-Wegener-Institut/Mario Hoppmann

Ein wichtiger Koordinationspartner ist auch die Deutsche Gesellschaft für Polarforschung. Hier arbeiten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichster Disziplinen zusammen, um die Forschung in Arktis und Antarktis zu fördern. Die wichtigsten Antworten auf drängende (Zukunfts-)Fragen der Forschung wurden 2017 in der Polarforschungsagenda 2030 veröffentlicht. Sie wurde vom Nationalkomitee für Polarforschung (DFG) unter Mitarbeit von zahlreichen Autorinnen und Autoren aus 17 deutschen Forschungsinstituten zusammengestellt. Bereits zwei Jahre zuvor hatte das BMBF die Broschüre „Schnelle Veränderungen in der Arktis – Polarforschung in globaler Verantwortung“ herausgegeben.

Internationale Zusammenarbeit stärken

In Kooperation mit Partnerinnen und Partnern aus Europa, Russland, Kanada und den USA führen die verschiedenen Forschungsinstitute Experimente – zum Beispiel in der Framstraße zwischen Spitzbergen und Grönland oder der nördlich von Russland gelegenen Laptew-See – durch, die Aufschluss über geologische, meteorologische oder geophysikalische Besonderheiten der Polargebiete geben sollen. Die Zusammenarbeit verschiedener Länder und Kontinente ist wichtig, um Kompetenzen zu bündeln und auch den logistischen Aufwand der Expeditionen zu bewältigen. Die verschiedenen Länder setzen dazu nicht nur Forschungsschiffe, sondern beispielsweise auch Flugzeuge ein, die auf die speziellen Anforderungen der eisigen Landschaften eingestellt sind.

MOSAiC und YOPP: Einfrieren im Eis und Wetterprognosen

Es gibt zwei Projekte, an denen sich das AWI in den nächsten zwei Jahren maßgeblich beteiligen wird.

MOSAiC

Die MOSAiC-Expedition startet im Herbst 2019.

Alfred-Wegener-Institut/Martin Künsting

Das Forschungsschiff POLARSTERN startet im Jahr 2019 beispielsweise die größte Arktis-Expedition aller Zeiten. Während des Projekts Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate (MOSAiC), das gemeinsam vom AWI, dem Arctic and Antarctic Research Institute (AARI) und dem Cooperative Institute for Research in Environmental Sciences (CIRES) betrieben wird, wird sich das Forschungsschiff in der Sibirischen See zwölf Monate lang einfrieren lassen. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus 17 Nationen erforschen die Arktis in wechselnden Besatzungen im Jahresverlauf – inklusive Aufenthalt während des arktischen Winters.

Welche Route sie dann verfolgen wird, ist noch unklar und kann aufgrund der variierenden Eisdrift nur schätzungsweise angegeben werden. Mit den gewonnenen Daten des Projekts sollen das arktische Klima und die globalen Erwärmungsprozesse besser verstanden werden.

Bis Mitte 2019 ist zudem die Forschungsinitiative Year of Polar Prediction (YOPP) damit beschäftigt, Klimaveränderungen an beiden Polen zu untersuchen, damit auf dieser Grundlage bessere Wetterprognosen abgeleitet werden können. Hierdurch sollen Gefahren – zum Beispiel in der Schifffahrt – minimiert werden. Die bisher existierenden Klimamodelle werden durch diese erweiterten Datengrundlagen ergänzt. Wetterprognosen in der Arktis und der Antarktis können somit zuverlässiger abgegeben werden. Beobachtungs- und Aufzeichnungslücken sollen durch YOPP geschlossen werden. An der Initiative beteiligen sich neben dem AWI die Weltorganisation für Meteorologie und Partnerinnen und Partner aus mehr als 20 Ländern.