Deutsche Forschungsschiffe

17 Forschungsschiffe gibt es derzeit in Deutschland. Unterschiedliche Organisationen kümmern sich um die konkrete Einsatzplanung, denn das ganze Jahr über werden die Schiffe im Dienst der Wissenschaft rund um den Globus eingesetzt.

POLARSTERN bei Nacht

Alfred-Wegener-Institut/Stefan Hendricks

Die deutsche Forschungsflotte teilt sich in verschiedene Kategorien auf: Es gibt große, mittelgroße und kleine Schiffe sowie Fischereiforschungsschiffe. Neben dem Bundesministerium für Bildung und Forschung verfügen auch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) sowie das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) über ein oder mehrere Schiffe zur Forschung und Vermessung.

Sie alle erkunden an verschiedenen Orten die Meere der Welt, ihre Rohstoffe, ihre Lebewesen und die Auswirkungen des Klimawandels. Von den Forschungsschiffen aus werden Roboter, Bohrgeräte und andere Systeme zur Datenerhebung unter Wasser abgesetzt, die unter anderem wertvolle Informationen über biologische und geologische Prozesse in Meeren und Ozeanen sammeln. Ganz ins Eis schaffen es jedoch nur zwei Schiffe: die POLARSTERN und die MARIA S. MERIAN. Denn in den polaren Meeren werden hohe Anforderungen an die Wasserfahrzeuge gestellt.

Mit dem Eisbrecher in die Arktis

Das größte deutsche Forschungsschiff ist mit 118 Metern Länge die POLARSTERN. Ihre erste Fahrt absolvierte sie bereits im Jahr 1982. Sie ist oft in der Arktis und Antarktis unterwegs und für Temperaturen bis –50 °C ausgelegt. Die POLARSTERN gehört zu den leistungsfähigsten Forschungsschiffen der Welt. Das Besondere an diesem Schiff ist, dass es gleichzeitig als Eisbrecher dient: Bis zu eineinhalb Meter dicke Eisschollen durchfährt es einfach, dickeres Eis wird in mehreren Anläufen gerammt, bis es auseinanderbricht.

Die POLARSTERN in der Arktis

Alfred-Wegener-Institut/Martin Schiller

So bahnt sich die POLARSTERN ihren Weg durch die Eisschicht und dient vielen verschiedenen Forschungszwecken: dem Klimawandel, der Wetter- und Temperaturentwicklung, den Lebewesen auf und unter der Wasseroberfläche, dem Eisschwund, der Ausbreitung von Plastikmüll und vielem mehr. Normalerweise ist die POLARSTERN, die 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Platz bietet, im deutschen Sommer in der Arktis und im Winter in antarktischen Gebieten unterwegs.

Mit dem im September 2019 startenden Projekt MOSAiC (Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate) begibt sich das Forschungsschiff jedoch auch im Winter in arktische Gewässer und lässt sich dort einfrieren. Ein Jahr lang soll es festgefroren im Eis quer durch die Arktis driften. Denn Daten aus kälteren Jahreszeiten sind bisher nur spärlich vorhanden. Mit dem Projekt MOSAiC wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 17 Nationen Wissenslücken füllen und neue Erkenntnisse zum Beispiel über die CO2-Abgabe des Ozeans oder den Wärmetransport zwischen Eis, Wasser und Atmosphäre gewinnen.

Allein zwischen 1982 und 2018 hat der Forschungseisbrecher POLARSTERN 1.719.943 Seemeilen zurückgelegt, umgerechnet 3.185.334 Kilometer. Das entspricht mehr als 79 Erdumrundungen auf Höhe des Äquators. Damit Deutschland auch in Zukunft ein verlässlicher Partner in der internationalen Forschung und relevanten Spitzenforschung sein kann, plant der Bund aktuell einen Neubau der POLARSTERN.

Das Forschungsschiff Maria S. Merian auf dem Wasser

IOW

MARIA S. MERIAN – Naturforscherin zum Vorbild

Wie die POLARSTERN ist die MARIA S. MERIAN ein Eisbrecher – allerdings bricht sie als mittelgroßes Forschungsschiff Eis nur bis zu einer Dicke von 60 Zentimetern und wird deshalb eher am Eisrand eingesetzt. Sie wurde im Jahr 2006 gebaut und ist trotz ihrer Länge von fast 95 Metern besonders umweltschonend unterwegs. Für die Untersuchung des Meeresbodens, der Atmosphäre oder der Wassersäule besitzt sie zwei Propeller und eine Stabilisierungsanlage, die sie auch bei starkem Seegang auf genauer Position halten können.

Eine Forscherin ganz nach ihrem namentlichen Vorbild: Maria Sibylla Merian, geboren im Jahr 1647, war eine der ersten Frauen, die allein große Forschungsreisen unternahm, Insekten genau beobachtete und dabei zahlreiche Fakten über ihre Lebensumstände sammelte (z. B. die Metamorphose von Schmetterlingen).

POSEIDON

POSEIDON in Kiel

GEOMAR/Jan Steffen

Auch andere Forschungsschiffe sind in arktischen Gewässern unterwegs, allerdings in eisfreien und somit befahrbaren Bereichen und im Sommer, wenn die Eisbedeckung zurückgeht. Eines davon ist die POSEIDON, die ebenfalls zu den mittelgroßen Forschungsschiffen gehört: Bereits zum zweiten Mal wird ein deutsches Forschungsschiff nach dem griechischen Gott des Meeres benannt. War das von 1902 bis 1945 genutzte Schiff noch ganz der Fischereiforschung verschrieben, wird die 1976 gebaute Nachfolgerin im Nordatlantik und im Mittelmeer mehr für ozeanografische, meeresbiologische und geologische Untersuchungen eingesetzt. Mit Kränen, Loten, Winden und fünf Labors ist sie bestens für wissenschaftliche Messungen, z. B. der Wassertiefe, geeignet – und dank ihres niedrigen Arbeitsdecks auch dazu, das Tauchboot JAGO schnell ins Wasser zu lassen und den Meeresboden zu erkunden.

Im Sommer bis nach Spitzbergen und Grönland

Unter sommerlichen Temperaturen schaffen es zudem die mittelgroße HEINCKE und das Fischereiforschungsschiff WALTHER HERWIG III ab und an bis ins Nordpolarmeer. Die HEINCKE, die im Jahr 1990 in See stach, wird vorwiegend in der Nordsee und im Nordatlantik bis hoch zur Inselgruppe Spitzbergen eingesetzt.

Forschungsschiff Heincke

Alfred-Wegener-Institut/Ralf Röchert

In vier Laboren werden Proben untersucht, mit Kränen und Winden Forschungsobjekte ins Wasser gelassen und vorwiegend biologische und geowissenschaftliche Projekte in Angriff genommen. Mehr zur Fauna forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der WALTHER HERWIG III. Sie ist das größte deutsche Fischereiforschungsschiff. Mit dem 65 Meter langen Boot können große Netze und Fanggeräte ins Wasser gelassen und damit zum Beispiel Fischbestände, Fischkrankheiten und Schadstoffauswirkungen geprüft werden.

Ab 2020 soll die WALTHER HERWIG III in den Ruhestand versetzt werden und einem neuen Fischereiforschungsschiff weichen. Die modernere Nachfolgerin wird sich dann vorrangig der nachhaltigen Nutzung von Meeresressourcen und dem Schutz des sensiblen Ökosystems widmen.