Besondere Orte

3.694 Meter ragt der Gunnbjørns Fjeld in den arktischen Himmel. Er ist damit der höchste Gipfel Grönlands und nördlich des Polarkreises. Erst im Jahr 1935 wurde er von fünf britischen Abenteurerinnen und Abenteurern zum ersten Mal bestiegen.

Arktische Landschaft

Alfred-Wegener-Institut/Stefan Hendricks

Der Gletscher Jakobshavn Isbræ, der sich ebenfalls auf Grönland befindet, ist mit einer mittleren Fließgeschwindigkeit von 17 Kilometern pro Jahr (Stand: 2012) der am schnellsten fließende Eisstrom der Welt. Durch die über Jahre gewachsene Beschleunigung, die sich zwischen 1992 und 2012 fast verdreifacht hat, transportiert der Gletscher immer mehr Eis in den Ozean. Einer dieser Eisberge soll im Jahr 1912 mit der Titanic kollidiert sein. Aber nicht nur das: Das Abschmelzen der weltweit vorhandenen Gletscher ist für etwa ein Drittel des beobachteten Anstiegs des Meeresspiegels verantwortlich.

Leben in arktischer Kälte

Wer an die Arktis denkt, dem kommen jedoch auch andere Bilder als Gletscher in den Sinn: sich türmende Eisschollen und -berge, ein schier endloser Horizont und eisige Wassermassen zum Beispiel. Dass die arktische Landschaft aber durchaus auch bevölkert sein kann, zeigt zum Beispiel die Großstadt Murmansk, die sich nördlich des Polarkreises auf der russischen Halbinsel Kola befindet. Mit mehr als 300.000 Einwohnern ist sie die größte arktische Stadt. Aufgrund des warmen Golfstroms ist ihr Hafen ganzjährig eisfrei und wird deshalb als Güterhafen genutzt. Gleichzeitig ist der Hafen in Murmansk Militärbasis der Russischen Marine, die so einen dauerhaften Zugang zum Polarmeer und Atlantik hat. Deutlich kleiner als die im Jahr 1916 als Romanow am Murman gegründete Stadt ist die nördlichste Siedlung der Arktis: Siorapaluk. Sie zählt 42 Einwohner (Stand: 2018) und liegt nur 1362 Kilometer vom Nordpol entfernt.

972.000 km2 Natur im größten Nationalpark der Welt

Ähnlich dünn besiedelt ist auch der nördlichste und größte Nationalpark der Welt, der Nationalpark Nordostgrönland. Er wurde im Jahr 1974 gegründet und ist bisher für Menschen nur schwer erreichbar. Neben wenigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern arbeiten hier einige Personen der SIRIUS-Schutzpatrouille. Die Patrouille kümmert sich um die Überwachung des Nationalparks. Im Sommer kommen vereinzelt Touristengruppen hinzu.

Eine Million tiefgefrorene Pflanzensamen

Forscher vom AWI in der Arktis

AWI-Meereisphysiker bei ihren Arbeiten auf einer Eisscholle.

Alfred-Wegener-Institut/Martin Schiller

Aber nicht nur Menschen und Tiere sind in der Arktis zuhause. Auch zahlreiche Pflanzensamen befinden sich nördlich des Polarkreises: Das Saatgutlager „Svalbard Global Seed Vault“ im norwegischen Spitzbergen beherbergt etwa eine Million tiefgefrorene Samenproben aus aller Welt. Die Proben von Weizen, Mais und anderen Nutzpflanzen sollen dabei helfen, die Erde nach einem Katastrophenfall wie Dürre oder Hochwasser wieder zu kultivieren. Das Lager, das 2008 unter norwegischer Finanzierung in Betrieb genommen wurde, soll die Artenvielfalt auch in Extremsituationen sichern.

Über null Grad: arktische Hitze

Ein weiterer Ort, der besonders für die Forschung interessant ist, liegt noch nördlicher: Am Kap Morris Jesup befindet sich die Klimastation an Land, die dem Nordpol am nächsten kommt. Die vom dänischen Wetterdienst betriebene Einrichtung maß im Februar 2018 mehr als 60 Stunden lang Temperaturen von mehr als null Grad Celsius – eine ungewöhnlich warme Bilanz für die Arktis. Damit war der dortige Winter in diesem Jahr der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – mit durchschnittlich 4,9 Grad Celsius über dem Normalwert.